Gendergerechte Sprache


  • Ist vielleicht das falsche Forum aber ist hier zufällig ein (Hobby-)Linguist, der weiß, ob es eine Sprache gibt, bei der die allgemeine Form regelmäßig mit keiner der Geschlechtsspezifischen Plurale zusammenfällt?

    Wurde glaube ich in einem vorherigen Beitrag (eines anderen Teilnehmers, nicht von mir) bereits angedeutet. Aber im Englischen wird inzwischen häufig 'they' als generische Form verwendet für eine einzelne Person verwendet. Das ist meines Wissens aber eine neuere Entwicklung, jedoch eine, die aus meiner Sicht deutlich sinnvoller ist als ein "generisches Femininum" im Deutschen.

  • Wichtiger als gendergerechtes Sprechen ist gendergerechtes Denken.

    Erstes wird sich aus Zweitem ergeben. Zweites aus Erstem nur im günstigen Fall.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von MATH+ () aus folgendem Grund: Um keine Nebendiskussion bzgl. Groß-/Kleinschreibung zu provozieren habe ich "Erstem" und "Zweitem" entsprechend ihrer Sustantivierung nun großgeschrieben.

  • Da ich gerne die Forenbeiträge lese habe ich auch bei diesem Thema weitergelesen. Ich kann nur sagen, dass ich vieles Gelesene sehr deprimierend finde. Auch eine Diskussion diesbezüglich zu führen ist zwar das gute Recht jedes Einzelnen, aber zumeist doch sehr entzweiend, fruchtlos und in aller Regel auch subtil aggressiv. Die ursprünglich verwendete Form in der Aufgabe ist mir zwar aufgefallen, aber mir war zumindest nach einigen Bemerkungen aus den Tagen zuvor, wie die Formulierungen zu verstehen sind.


    Wirklich überrascht war ich, wie wenig souverän einige Lesende damit umgehen.


    Leider war für mich aber auch überraschend zu sehen, dass das Kalenderteam auf den Missstand eines generischen Maskulins mit einem weiteren Missstand, der Verwendung eines generischen Feminins, reagiert.


    Für was für eine Welt genau kämpft ihr eigentlich?

  • Ich mag reale Sprachen nicht wegen der dabei auftauchenden Probleme wie dem hier diskutierten. Ich bin für die Einführung einer Metasprache, die der Regel gehorcht:

    Für jeden Begriff gibt es genau ein Wort.

    Als Vorbild hierfür könnte die Mathematik dienen, bei der man für die gleiche Größe nicht verschiedene Formelzeichen benutzt, jedenfalls nicht im selben Gleichungssystem und ohne Umdefinierung.

  • Leider nein.

    Neutrum (-um) Nominativ Plural endet -a

    Feminin Singular endet -a

    Aber auch bei anderen Fällen gibt es identisch Endungen quer durch.

    Mein Gegenargument zu Latein ist eher, dass für allgemeine Personengruppen nicht Neutrum sondern Maskulinum verwendet wurde.


    Wurde glaube ich in einem vorherigen Beitrag (eines anderen Teilnehmers, nicht von mir) bereits angedeutet. Aber im Englischen wird inzwischen häufig 'they' als generische Form verwendet für eine einzelne Person verwendet. Das ist meines Wissens aber eine neuere Entwicklung, jedoch eine, die aus meiner Sicht deutlich sinnvoller ist als ein "generisches Femininum" im Deutschen.

    Englisch ist im Singular ein gutes Beispiel wegen they, und der Plural gibt kein Geschlecht mit an. Daran habe ich bei meiner Frage nicht gedacht.

  • Wichtiger als gendergerechtes Sprechen ist gendergerechtes Denken.

    Erstes wird sich aus Zweitem ergeben. Zweites aus Erstem nur im günstigen Fall.

    Kann ich so unterschreiben. Sprache definiert nicht unser Denken/Handeln, sondern genau umgekehrt. Aus diesem Grund akzeptiert der Duden mittlerweile ja sogar "Sinn machen", obwohl es ja eigentlich Sinn ergeben heißt. Aber wenn genügend Menschen "Sinn machen" sagen und genügend Menschen das auch verstehen, dann werden die Regeln der Sprache eben neu definiert. Ich sag euch, irgendwann kommt der Tag, wo der Duden auch den Dativ als Ersatz für den Genitiv erlaubt ;)

    Tja und beim Gendern ist es genau gleich. Erst einmal muss sich diese Erkenntnis der Gleichberechtigung zu genüge in der Gesellschaft etablieren. Und dann werden sich die Regeln der Sprache ganz von selbst umschreiben. Andersherum wird es schwierig - wenn man zuerst sagt "Du musst jetzt gendergerecht schreiben", ohne dass man es aus eigener Überzeugung macht. Und so kommt es dann eben zu Fällen, wo Leute das Gefühl haben, dass ihnen etwas "aufgezwungen" wird, was sie selbst nicht vertreten.

  • Sprache definiert nicht unser Denken/Handeln, sondern genau umgekehrt.

    Stimme ich nicht zu. Und es gibt genug Studien dazu. Du kannst nur denken, was du sagen kannst. Bezw. wozu du einen Begriff/Bild hast.

    Und Mädchen kommen viel zu häufig nicht auf die Idee, einen Beruf zu ergreifen, den sie nur im Maskulin kennen. Auch noch heute, nach über hundert Jahren Emanzipationsbemühungen.

    Bei Wichteln ist mir egal, ob Wichtel oder Wichtelin, Hauptsache es schmeißt mir ein Geschenk durch den Kamin. Aber im realen Leben musste die Mehrheit sich der Minderheit sowohl sprachlich als auch sonst unterordnen, und glücklich sein, wenigstens mitgemeint zu sein. Das kann doch in der heilen Welt eines Adventskalenders auch anders sein, ohne dass die Minderheit gleich beleidigt ist.

  • Meine letzte Zuschrift zu dem Thema: :-)
    [...]
    Gerade weil es in der deutschen Sprache einen Unterschied zwischen dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht gibt, ist die deutsche Sprache von vorneherein geschlechtsneutral, da man sich nach dem grammatischen Geschlecht richten muss. Beispiel: "Die Person, sie kommt zur Tür herein." Auch wenn es ein Mann ist. "Person" ist generisches Femininum, "Bewohnerin" ist nicht generisch.

    Das sehe ich nicht so. Wie ich das sehe, sind die grammatisch männlichen Formen in Bezug auf das natürliche Geschlecht in der Regel indifferent. Zusätzlich gibt es eine gesonderte Form, die dazu dient, das weibliche natürliche Geschlecht zu kennzeichnen. Aber keine besondere Form um das männliche natürliche Geschlecht zu kennzeichnen. Das ist gerade nicht geschlechtsneutral.

  • Es gibt eine einfache Lösung für das Genderproblem, mit der alle zufrieden sein sollten:


    Schritt 1: 10 Jahre lang werden alle Forderungen der SJWs ohne Einschränkungen durchgesetzt. An allen öffentlichen Einrichtungen wird genderneutrale Sprache zur Pflicht und es wird penibel darauf geachtet, dass niemand durch Sprache diskriminiert wird.


    Schritt 2: Alle Vorschriften werden vollständig fallen gelassen und jeder darf Sprache so verwenden, wie er es für richtig erachtet.


    Die Sprachkonservisten sollten dem nichts entgegenzusetzen haben, da nach 10 Jahren der Spuk vorbei ist und sie dann nicht mehr von SJWs belästigt werden können (der Fall, dass ein Sprachkonservist dann nicht mehr lebt, ist zu vernachlässigen, da jener dies nicht vorher wissen kann).


    Gleichzeitig können mögliche Einwände der SJWs dadurch abgefertigt werden, dass ja eh alle wissen, dass eigentlich Student:innen gemeint sind, wenn jemand von "Studenten" spricht.


    Ich denke, die Diskussion hat sich erledigt und wir können jetzt weiter über Mathe reden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Ariane () aus folgendem Grund: Zur Info: Herabsetzende Bezeichnung...

  • Was sind schon 10 Jahre im Vergleich zu Jahrhunderten :D

  • also in den letzten Tagen gab es auch schon "die Wichtel", die hießen dann halt einfach "Wichtel Roland" und "Wichtel Kristina", da hatte sich glaube ich keine der beiden Seiten beschwert.

    Ich meine, gibt es überhaupt explizit männliche und weibliche? Und diverse? Gibt es homo- und transsexuelle Wichtel?

    Darüber möchte ich doch eigentlich gar nicht nachdenken. Durch die Schreibweise von heute wird da eine Sexualisierung reingebracht, wo sie gar nicht hingehört.

    Also das wirkt für mich dann halt schon sehr als Anbiederung an den Zeitgeist, hauptsache man kann zeigen, dass man auf Seiten "der Guten" steht, egal ob es passt oder nicht. Und dieses Demonstrative ist es, was auf der anderen Seite zu Widerspruch reizt, auch von Leuten, die ansonsten keineswegs gegen Gleichberechtigung sind.


  • Gut, dann halt "Feminist:innen" etc. (der obige Beitrag war nicht sonderlich ernst gemeint).

    Meiner Ansicht nach ist dieses Thema viel zu präsent in den Medien und es gibt wichtigere Dinge, über die man diskutieren sollte.

    Wenn bestimmte Akteure versuchen, künstlich die Sprache zu verändern, ist zwar grundsätzlich Vorsicht angebracht (ein Extrembeispiel ist Orwells "1984"). Solange es aber um Gleichberechtigung geht und niemand gezwungen wird, sehe ich jedoch keinen Grund, sich großartig aufzuregen (außer bei der Zensur historischer Werke).