Beiträge von Antonia H

    Nein. Im allgemeinen (nicht Disziplinen-spezifischen) Sprachgebrach ist es keineswegs so, dass die Formen durcheinandergeworfen werden. Mir ist auch keine Disziplin bekannt, in der das so ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass es so etwas nicht gibt, aber man darf nicht davon ausgehen, dass das dann jeder gleich so versteht. Der Mathekalender richtet sich ja an die Allgemeinheit, also sollte die Sprache auch so verwendet werden, dass sie von der Allgemeinheit verstanden wird.


    Wenn z.B. ein Restaurant damit wirbt, dass Studenten 10% Rabatt bekommen, dann wird es sehr wenige Studentinnen geben, die glauben, der Rabatt gelte nicht für sie. Wenn aber mit 10% Rabatt für Studentinnen geworben wird, dann fühlen sich viele männliche Studierende davon eher nicht angesprochen, eben weil sie von klein auf die Erfahrung gemacht haben, dass die explizit weibliche Form nur verwendet wird, wenn nur Frauen oder Mädchen gemeint sind.

    Mir ging es nicht um den Sinn der Aktionen, sondern darum, dass die Abweichung von der Norm kommentarlos geschehen ist. Unabhängig davon, wie sinnvoll ein Vertauschen der Prioritäten von Punkt- und Strichrechnung ist, kann man eine Regel wie "Strichrechnung vor Punktrechnung" oder "Rechenschritte der Reihe nach von links nach rechts" einführen, muss das aber deutlich machen (letzteres sieht man z.B. in manchen Zahlenrätseln, wo dann explizit gesagt wird, dass die Regel Punkt vor Strich nicht gilt). Hättet Ihr einfach über den Text geschrieben, dass Ihr ein generisches Femininum benutzt, und das auch konsequent durchgezogen, wäre die Diskussion wohl deutlich kürzer ausgefallen.

    Viele Physik-Profs und z.B. fast alle Philosophie-Profs an der HU Berlin sprechen/schreiben auch so (übrigens sind das fast nur Männer). Sie bemühen sich weibliche und männliche Formen abzuwechseln. Mir war nicht klar, dass das als so verrückt angesehen wird. Außerdem denke ich nicht, dass der Text dadurch plötzlich komplett unverständlich wird. Ein bisschen verwirrend schon, wenn es noch nicht bekannt ist, aber nicht so, dass plötzlich das ganze Mathe-Rätsel unverständlich wird. Falls jemand verwirrt sein sollte, kann sie / er ja fragen, deshalb gibt es das Forum.
    Aber einige Leute haben nicht gefragt, wie das zu verstehen ist (kann schnell geklärt werden), sondern sich vehement beschwert, dass wir so schreiben. Das ist ja ein Unterschied. Und wenn Sie daraufhin als scheinbar äquivalentes Bsp. die willkürliche Vertauschung der Prioritäten von Punkt- und Strichrechnung posten, dann ist das, denke ich, nicht ganz so losgekoppelt vom Sinn der Sache, wie Sie es jetzt verkaufen.

    Zusätzlich hinkt Ihr Vergleich auch noch: Wenn Sie in einer Matheaufgabe ohne Ankündigung die Prioritäten von Punkt- und Strichrechnung vertauschen, dann ist die Aufgabe unlösbar, denn wir hätten keine Chance zu bemerken, dass überhaupt irgendetwas verändert wurde. Im Fall unserer Rätsel ist das nicht so. Es stellen sich evt. ein paar Fragen, aber wir können eine Abweichung von einer uns bekannten Regel sehen (alles in weibliche Form oder mit komischen Punkten geschrieben) und darauf reagieren. Außerdem betrifft es meist nur die Hintergrundgeschichte, die im Detail (Geschlecht der Protagonistinnen z.B.) meist nicht für die Lösung der Aufgabe relevant ist.
    Außerdem: Anders als Sie halte ich kurze Verwirrung beim Lesen nicht für so schlimm. Erst recht nicht, wenn es aus einem sinnvollen, guten Grund geschieht.

    Meine letzte Zuschrift zu dem Thema: :-)
    [...]
    Gerade weil es in der deutschen Sprache einen Unterschied zwischen dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht gibt, ist die deutsche Sprache von vorneherein geschlechtsneutral, da man sich nach dem grammatischen Geschlecht richten muss. Beispiel: "Die Person, sie kommt zur Tür herein." Auch wenn es ein Mann ist. "Person" ist generisches Femininum, "Bewohnerin" ist nicht generisch.

    Ich weiß nicht, warum Sie immer das Wort "Personen" als Beispiel nehmen. Wir sprechen nicht von Personinnen, sonder von Bewohnern und Bewohnerinnen. Da gibt es einen Unterschied: von dem Wort "Personen" gibt es gar nicht zwei Geschlechter-Versionen, von dem Wort "Bewohner" schon.

    Und wie aus der Prämisse "es gibt in dieser Sprache einen Unterschied zwischen dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht" die Konklusion folgen soll: "Also ist die Sprache von vornherein geschlechtsneural", ist argumentationstheoretisch vollkommen unklar.

    Warum wollen Sie anderen Ihre Vorstellungen aufoktroyieren?

    Ich denke nicht, dass ich etwas aufzwinge. Ich will nur begründen, warum wir unsere Texte so schreiben. Und jedes Mal, wenn wir etwas schreiben, müssen wir uns für eine bestimmte Form entscheiden. So etwas wie Enthaltung gibt es ja im Schreib-Fall nicht.

    Ich antworte mal im Feedback-Thread, um die eigentliche Aufgabendiskussion nicht zu stören:

    Über Gender-Stern, -Gap, etc. kann man ja geteilter Meinung sein. Solange nichts anderes gesagt wird, ist es aber im Deutschen so, dass die explizit weibliche Form eben nur weibliche Wesen meint. So ist auch das allgemeine Sprachverständnis. Wenn dann, so wie in dieser Aufgabe, mal die weibliche und mal die männliche Form genutzt wird, das aber entgegen der üblichen Lesart immer alle Geschlechter meinen soll, dann bekommt der Text eine andere Bedeutung. Das erweckt zudem den Eindruck, als solle hier Gender-Politik betrieben werden, was ich sehr schade finde.

    Zur Klarstellung: mir geht es explizit um die Mischung der männlichen und weiblichen Formen ("Erfahrungsgemäß werden sich jedoch einige der Bewohner von Wichtelstadt weigern...", "Sei p (in Prozent) der Anteil der Bewohnerinnen von Wichtelstadt, die keine IBeanie tragen.") zusammen mit dem nicht dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechenden generischen Femininum. Wenn z.B. jemand argumentiert, die allgemein übliche Mathematik-Regel "Punktrechnung vor Strichrechnung" diskriminiere die Strichrechnung, und dann ohne explizit darauf hinzuweisen die Regel "Strichrechnung vor Punktrechnung" benutzt, trägt das auch nicht zur Lesbarkeit bei.

    Dem würde ich widersprechen: In vielen Disziplinen ist es so, dass die weibliche und die männliche Form abgewechselt wird und jedes Mal alle gemeint sind. Das ist hier offenbar noch nicht bekannt, heißt aber nicht, dass es allgemein unbekannt ist.
    Außerdem können sich solche Sprachgewohnheiten nur ändern, wenn wir selber versuchen es in unseren Texten zu ändern.
    Und ich denke, es sollte klar sein, dass es ein Unterschied gibt zwischen sinnlosem Vertauschen von Punkt- und Strichrechnung und den Bemühungen Ungerechtigkeiten in Bezug auf Menschen in unserer Sprache zu verändert.

    Sprech-/Schreibgewohnheiten ändern sich nur dadurch, dass wir anfangen z.B. den generischen Femininum zu benutzen. Das machen wir hier und auch sehr viele andere Menschen in anderen Disziplinen bereits, deshalb würde ich dem nicht zustimmen, dass das einfach so ist.

    Aber hier geht es ja um das Rätsel, deshalb würde ich die Diskussion darum jetzt beenden.

    Es ist irrelevant wie viele Wichtel männlich sind. Das ist ein generischer Femininum in der Aufgabe.

    Wir hatten aber einen Fehler in der Aufgabe, der jetzt korrigiert wurde: es muss "Sei p (in Prozent) der Anteil der Bewohnerinnen von Wichtelstadt, die EINE IBeanie tragen." heißen.

    2 Fragen:


    1) Es gibt genau so viele Wichtel mit Geschenken wie es Kinder gibt, richtig?


    2) Ich verstehe nicht ganz, was mit "ggf. müssen die Wichtel vor Eleonora weichen". Es wird doch zuerst das Geschenk des neugierigsten Kindes, dann das Geschenk des zweitneugierigsten Kindes usw. vergeben. Wenn Eleonora das Geschenk des am wenigsten neugierigen Kindes hat ist doch klar, dass sie es auf jeden Fall als letztes übergibt... da verstehe ich nicht, warum irgend welche Wichtel weichen müssen :/

    zu 1): Es kommen so viele Wichtel (+ Weihnachtsmann) zum Einsatz, wie Kinder da sind, die beschenkt werden sollen.

    zu 2): Da war einfach gemeint, dass Eleonora immer das letzte Geschenk überreicht. Auch wenn es bedeutet, dass nur der Weihnachtsmann und sie ein Geschenk überreichen können und keine der anderen Wichtel.

    Kleine Unsicherheit, wie "das richtige Kind" zu verstehen ist: Angenommen, bei drei Kindern wählt der Weihnachtsmann ausgerechnet das drittneugierigste. Wird dann Rebekka das zweitneugierigste Kind wählen (für das sie in der "eigentlichen" Reihenfolge zuständig wäre; ich vermute, das ist gemeint), oder aber das neugierigste unter den verbleibenden Kindern?

    Das steht in der Aufgabe, lies nochmal genauer... ;)